Level der Selbstständigkeit: So meisterst du sie erfolgreich!

Dürfen wir vorstellen? Das ist unser Protagonist. Er trägt keinen Namen, aber das ist an dieser Stelle auch gar nicht wichtig. Unser Protagonist ist Portier eines Freudenhauses. Er stammt aus dem Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay, einem argentinischen Autor, Psychiater und Gestalttherapeut.

In Bucays Buch findest du viele wunderbare Metaphern über das Leben. Und wie Dr. Stefan Frädrich in einem motivierenden Talk für GEDANKENtanken sagte, passt die kleine Geschichte des Freudenhaus-Portiers ausgezeichnet zum Thema Selbstständigkeit.

Also, los geht’s! Viel Spaß bei der Geschichte und ihrer Pointe. Ach ja, und natürlich bei den vielen nützlichen Tipps, wie du die größten Hürden deiner Selbstständigkeit grandios überwindest – und richtig erfolgreich werden kannst!

Von Kündigungen und Werkzeugkästen

Der Portier des Freudenhauses aus Bucays Geschichte hat weder den besten Job, noch verdient er sonderlich viel Geld. Trotzdem macht er seine Tätigkeit mit Leidenschaft. Auch sein Vater und sein Großvater haben schon als Portiere gearbeitet und so hat diese Tätigkeit eine gewisse Tradition in seiner Familie.

Doch eines Tages bekommt das Freudenhaus einen neuen Chef. Dieser fordert alle Angestellte auf, Berichte zu schreiben – zum Beispiel darüber, wann wie viele Gäste im Freudenhaus sind und wie viel Geld sie ausgeben. Auch der Portier soll dem neuen Chef Berichte liefern. Mit flauem Gefühl im Magen geht er zu seinem Chef und sagt: „Chef, ich habe ein Problem. Ich kann leider weder lesen noch schreiben.“ Sein Chef antwortet: „Lieber Portier, ich will nicht erwarten, dass du extra wegen dieses Jobs lesen und schreiben lernst. Ich kündige dir.“

Die kleine Welt des Portiers bricht zusammen. Er muss sich völlig neu orientieren und besinnt sich schließlich einer Stärke: Zwischendurch hat er immer wieder Tätigkeiten als Hausmeister durchgeführt – und diese Tätigkeiten will er nun auf dem freien Markt anbieten. Er wagt den Schritt in die Selbstständigkeit, besteigt sein Maultier, reist in die Nachbarstadt und kauft dort einen Werkzeugkasten.

Von Reisen und Marktlücken

Kaum zurück möchte sich der Nachbar unseres Protagonisten seinen Hammer ausleihen und sagt, er bringe ihn morgen wieder. Am nächsten Tag kommt der Nachbar wie besprochen zurück und bittet darum, sich den Hammer noch weiter ausleihen zu dürfen. Unsere Protagonist würde gerne helfen, doch er antwortet: „Das geht leider nicht, ich muss ja damit Geld verdienen.“

Daraufhin schlägt sein Nachbar vor: „Ich habe eine Idee! Reise du noch mal in die Stadt für mich und hol mir auch einen Werkzeugkasten. Ich bezahle dir die Reise, den Werkzeugkasten und noch was oben drauf.“ – „Klasse“, denkt sich unser Protagonist, „jetzt habe ich den ersten Auftrag meiner Selbstständigkeit!“

Als die Nachbarschaft davon erfährt, möchte auch der nächste Nachbar einen Werkzeugkasten haben – und der übernächste. Unser Protagonist hat also eine Marktlücke entdeckt, es entsteht ein Geschäft. Er holt sich Werkzeugkästen auf Lager, richtet einen kleinen Laden ein und wird zum Eisenwarenhändler.

Level und Hürden deiner Selbstständigkeit

Die kleine Geschichte hat viel mit dem zu tun, was vielen Selbstständigen passiert: Man wird rausgeworfen in eine Welt der Selbstständigkeit, von der man anfangs gar nicht richtig weiß, wie das Spiel funktioniert. Man macht irgendwas, von dem man vermutet, dass es richtig sein könnte. Man wurschtelt sich durch und hofft, dass man erfolgreich ist.

Für Dr. Stefan Frädrich bestehen Selbstständigkeit und Unternehmenserfolg aus sechs Leveln, die man nach und nach durchlaufen kann. Jedes Level hat seine eigenen Hürden, die es zu bewältigen gilt. Nur wer es schafft, sich immer wieder anzupassen und zu verbessern, kommt ganz oben an.

Level Nr. 1 der Selbstständigkeit: Hobby

Im ersten Level kannst du irgendetwas ein bisschen – oder zumindest glaubst du, dass du es kannst. Vielleicht fotografierst du gerne oder bist handwerklich begabt. Und plötzlich fragt dich jemand, ob du das mal für ihn machen könntest. Ein zufälliger Auftrag kommt zustande und du testest, ob du wirklich gut darin bist.

Um auf dieses Level zu kommen, brauchst du eine gute Portion Mut. Deine Aufgabe besteht darin, dich zu trauen, überhaupt etwas zu machen. Oder anders gesagt: Deine Wachstumsgrenze lautet „Ich habe keinen Mut!“. Bezwinge diese Grenze!

Wie? Nun ja, probiere es aus! Wer sich in diesem Level der Selbstständigkeit befindet macht laut Dr. Stefan Frädrich einen jährlichen Umsatz von etwa 10.000 Euro. Für diese, wie auch die folgenden Einnahmeangaben gilt: Es handelt sich um Erfahrungswerte und Anhaltspunkte zur Orientierung.

Level Nr. 2 der Selbstständigkeit: Amateur

Als Amateur hast du schon festgestellt, wie das Ganze funktioniert. Deine Aufgabe auf diesem Level ist es, Schwächen auszumerzen. Aber worin liegen eigentlich deine Schwächen? Na ja, du weißt noch gar nichts. Du weißt nicht, was eine Umsatzsteuer ist, wie du ein Angebot schreibst, wie du auftreten und ein Verkaufsgespräch führen sollst.

Und dann wäre da noch deine größte Schwäche: du selbst. Du musst lernen, dich selbst zu motivieren und zu organisieren. Deine Wachstumshürde auf diesem Level der Selbstständigkeit lautet: „Ich weiß schon alles!“ Nur, wenn du erkennst, dass du aktiv an deinen Schwächen arbeiten musst, kommst du weiter. Dr. Stefan Frädrich schätzt den Jahresumsatz dieses Levels auf etwa 50.000 Euro.

Level Nr. 3 der Selbstständigkeit: Profi

Nun kommen wir schon auf eine andere Ebene deiner Selbstständigkeit: Hier hast du eine anständige Website, machst Social-Media-Marketing, trägst anständige Klamotten. Hier bist du Business! Das Wichtigste: Du hast Kunden, die (hochpreisig) zahlen. Profis sind beschäftigt und von morgens bis abends mit ihren Kunden zugange. Sie haben Stärken und geben ihre Expertise weiter.

Die Aufgabe dieses Levels besteht darin, deine Stärken zu entwickeln. Während es im ersten Level um Mut und im zweiten Level um Schwächen ging, richtet sich der Fokus hier auf deine Stärken. Wer sich in diesem Level befindet, mach einen geschätzten Jahresumsatz von bis zu 300.000 Euro. Die Grenze in diesem Level besagt: „Jetzt geht nichts mehr.“ Doch, es geht noch weiter!

Level Nr. 4 der Selbstständigkeit: Experte

Als Experte tickst du wiederum völlig anders. Du musst nicht mehr dauerhaft Akquise betreiben, denn die Kunden kommen jetzt zu dir. Du arbeitest nicht mehr die ganze Zeit am Kunden, sondern an deinem Profil. Du hast eine Medienpräsenz und bist auf dem Markt auffindbar.

Auf diesem Level der Selbstständigkeit sieht dein Arbeitsalltag anders aus als auf den vorherigen. Hier delegierst du deine Schwächen. Dr. Stefan Frädrich schätzt den Jahresumsatz dieses Levels auf etwa 500.000.

Level Nr. 5 der Selbstständigkeit: Unternehmer

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Du stellst Mitarbeiter ein, baust ein Team auf, bildest Strukturen. Du delegierst deine Stärken und musst wiederum ganz anders arbeiten als bisher. Die Fähigkeiten, mit denen du bis hierher gekommen bist, gibst du jetzt wieder ab und bringst stattdessen andere Leute zum Glänzen. Dein Unternehmen ist nun nämlich so groß, dass du alleine nicht mehr alles bewältigen kannst.

Die Wachstumsgrenze dieses Levels deiner Selbstständigkeit könnte man auch als Ego-Grenze bezeichnen. Hier musst du lernen, loszulassen und Teilaufgaben oder ganze Aufgabenbereiche an Mitarbeiter zu übergeben. Dein Jahresumsatz auf diesem Level kann bis zu 2 Mio. Euro betragen.

Level Nr. 6 der Selbstständigkeit: Echte Firma

Ganz an der Spitze deiner Selbstständigkeit steht eine echte Firma, die komplett unabhängig von dir ist. Hier hast du ein System aufgebaut, das in sich schlüssig ist: Die Menschen, die für dein Unternehmen arbeiten, tun dies so gut, dass dein Unternehmen auch dann Geld verdient, wenn du nicht mehr im operativen Tagesgeschäft mitmischst. Der Jahresumsatz dieses Levels liegt häufig bei ca. 5 Mio Euro, ist nach oben aber natürlich vollkommen offen.

Lass dich bei deiner Selbstständigkeit unterstützen

Du brauchst von Level zu Level völlig andere Qualifikationen, musst dich immer wieder anpassen und auf neue Gegebenheiten einlassen. Doch das lernst du nicht in der Schule. Nur der Austausch mit anderen Selbstständigen, die den Weg bereits gegangen sind, bringt dich weiter.

Vorbilder und Gleichgesinnte können dir Qualifikationen vermitteln, die außerhalb der normalen Arbeitswelt liegen: SelbstmanagementProduktivitätUnternehmertumMenschenkenntnisKommunikation, RhetoriOnline-Marketing und Positionierung. All dies findest du auch bei GEDANKENtanken! Schau dich gerne in unserem Magazin um oder kontaktiere uns für weitere Infos jederzeit persönlich.

Selbstständigkeit mit Happy End?

Übrigens, hier kommt der Twist der kleinen Geschichte von Jorge Bucay: Unser Protagonist wird so richtig erfolgreich! Er ist ein cleverer Geschäftsmann, ein guter Chef und eröffnet einen Eisenwarenladen nach dem nächsten.

Als millionenschwerer Unternehmer spendiert er der Stadt, in der er lebt, eine Schule. Der Bürgermeister eröffnet die Schule feierlich und überträgt dem Eisenwarenhändler den goldenen Schlüssel der Stadt. Dann soll er sich in das goldene Buch der Stadt eintragen. Unser Protagonist entgegnet: „Liebe Leute, ich würde das total gerne tun – aber leider kann ich weder lesen noch schreiben.“

Die Leute können es kaum glauben. Sie sagen: „Mensch, das kann ja gar nicht sein. Was wäre erst aus Ihnen geworden, wenn Sie auch noch hätten lesen und schreiben können?“ Und unser Protagonist antwortet: „Das kann ich Ihnen sagen: Dann wäre ich heute noch Portier im Freudenhaus.“

In diesem Sinne: Trau dich, Dinge anzupacken, schlage deinen persönlichen Weg ein und wachse über dich selbst hinaus! Wir wünschen dir dafür eine gute Portion Mut und unterstützen dich jederzeit gerne im weiteren Verlauf deiner Selbstständigkeit.

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