Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: So hältst du einen guten Vortrag

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: So hältst du einen guten Vortrag

Wer erfolgreich Karriere machen oder mit seinem eigenen Business durchstarten möchte, der sollte die Kunst beherrschen, gute Vorträge zu halten. Dessen ist sich auch Dr. Mai Thi Nguyen-Kim bewusst. Die Chemikerin arbeitet als Dozentin für Wissenschaftskommunikation und hilft Wissenschaftlern dabei, ihre Arbeit besser zu vermitteln. Zudem ist sie aktive YouTuberin und hat bereits viele Videos für unterschiedliche Kanäle und Sender produziert.

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: „Meine Arbeit macht viel Spaß, ist aber gleichzeitig eine große Herausforderung. Denn das Paradoxon der Wissenschaftskommunikation ist: je einfacher, desto schwieriger. Je einfacher ich komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge vermitteln möchte, desto komplizierter ist es für mich, sie verständlich aber trotzdem wissenschaftlich korrekt zu vermitteln.“

Dank ihrer Arbeit auf YouTube hat die Expertin einige Aspekte erlernt, die für ihre Wissenschaftskommunikation hilfreich sind. Und genau diese Aspekte lassen sich wunderbar auf andere Kommunikationsbereiche übertragen. Deswegen verrät dir Dr. Mai Thi Nguyen-Kim in diesem Magazinartikel, wie auch du einen wirklich guten Vortrag halten kannst. Bist du bereit? Dann kann’s ja losgehen!

Eine Frage der Perspektive

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim weiß, dass lehrreiche und zugleich unterhaltsame Vorträge eine Seltenheit sind: „Wenn man die Massen begeistern möchte, hat man es mit einem Chemievortrag nicht ganz so leicht. Wenn das Publikum danach nicht völlig verwirrt ist, dann war das schon ganz okay. Aber wenn ich mithilfe von YouTube einen Chemievortrag besser machen kann, dann kannst du das sicherlich für dich und deine Vorträge nutzen – egal aus welchem Bereich. Denn ein guter Vortrag ist vor allem eins: eine Frage der Perspektive.“

Laut der Expertin gibt es zwei Vortragsperspektiven: „Die erste Perspektive besagt, dass das Publikum der König ist. Die Aufgabe des Referenten liegt darin, dem Publikum zu dienen. Die zweite Perspektive kommt häufiger vor: Wenn der Referent den Vortrag hält, geht es zunächst einmal um ihn. Es geht um seine Arbeit und das, was er zu sagen hat. Das ist nachvollziehbar, aber aus dieser Perspektive ergeben sich oft drei große Irrtümer.“ Damit du nicht den gleichen Fehler begehst, haben wir die drei größten Vortragsirrtümer für dich zusammengefasst:

Irrtum 1: Du brauchst mehr Zeit

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim weiß: „Zeit ist etwas herrlich Subjektives. Und trägt man die Zeit eines Vortrags gegen die Langeweile des Publikums auf, dann ergibt sich meist ein linearer Zusammenhang.“ Frei nach dem Motto: je länger der Vortrag, desto größer die Langeweile. Aus Sicht des Vortragenden vergeht die Zeit allerdings oft viel zu schnell. Vielleicht war es für dich selbst sogar schon mal eine Herausforderung, dich an das Zeitlimit eines Vortrags zu halten?

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: „In Wahrheit ist es jedoch ein Irrtum, mehr Zeit zu brauchen. Das Publikum hat nämlich keine Zeit.“ Das lässt sich prima anhand eines Beispiels von YouTube erläutern: „Bei YouTube laufen vor den Videos Werbespots, die man nach fünf Sekunden überspringen kann. Wenn du das mal gemacht hast, dann weißt du, wie lange sich fünf Sekunden anfühlen können. Einem YouTuber ist daher völlig bewusst, wie ungeduldig der Zuschauer ist.“

Im echten Leben sind wir möglicherweise etwas geduldiger als online. Aber egal wie gut ein Vortrag ist, auch im Real Life ist die Aufmerksamkeit begrenzt. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim findet: „18 Minuten sind beispielsweise ein gutes Limit für einen Vortrag im Frontalunterricht.“ Grundsätzlich gilt also: Halte dich bei Vorträgen so kurz wie möglich“ Dr. Mai Thi Nguyen-Ki: „Leider greifen viele Wissenschaftler noch immer gern auf die Informationsdichteerhöhung zurück: Sie packen ganz viele Infos in eine kurze Zeit und reden dann doppelt so schnell wie sonst.“ Lass das bitte sein! Denn dieses Vorgehen führt direkt zu Irrtum Nummer zwei.

Irrtum 2: Die Leute hören dir zu

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim weiß: „Auf YouTube werden dem Zuschauer permanent Alternativprogramme angezeigt, die möglicherweise noch amüsanter oder interessanter sind. Das heißt: Wenn ich die Aufmerksamkeit des Zuschauers auch nur für einen Moment verliere, dann ist er weg und schaut sich ein anderes Video an.“ Bei einem Vortrag setzen wir das Publikum hingegen als selbstverständlich voraus. Ein großer Irrtum. Denn nur weil die Zuschauer den Vortrag im echten Leben nicht einfach wegklicken können, hören sie deshalb noch lange nicht zu.

Ganz im Gegenteil: Viele Zuschauer lenken sich ab und denken während des Vortrags an etwas völlig anderes. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: „Deshalb ist es eine gute Idee, am Anfang kurz darauf hinzuweisen, worauf der Inhalt überhaupt hinauslaufen wird.“ Erhöhe direkt zu Beginn die Spannung, sodass deine Zuschauer ab der ersten Sekunde gefesselt sind. Starte deinen Vortrag zum Beispiel mit einem aussagekräftigen Bild, einem Video, einer persönlichen Anekdote oder einer Interaktion mit dem Publikum. Denn bevor du erklärst, worum es überhaupt geht, solltest du dich erstmal um die Aufmerksamkeit bemühen.

Irrtum 3: Es geht um dich

Versetz dich also in die Perspektive deines Publikums. Mach dir gleichzeitig aber auch klar, warum du eigentlich da stehst und was du aussagen möchtest. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: „In dem Moment, in dem du dich vor das Publikum stellst, sollte es dein Hauptziel sein, dem Publikum angemessen zu dienen. Schließlich soll das Publikum etwas davon für sich mitnehmen.“

Stell dir dafür die Frage, was du vom Publikum willst. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: „Bei YouTube-Videos möchte man häufig Call-To-Actions, also Handlungen, erzielen. Die Zuschauer sollen beispielsweise ein Like, einen Kommentar oder ein Abonnement da lassen.“ Auch im echten Leben lohnt es sich immer, das Ziel deines Vortrags noch mal ganz klar zu definieren und auszudrücken. Was auch immer es ist: Sprich dein Publikum direkt an und sage konkret, was du möchtest.

Checkliste für einen guten Vortrag

Folgende drei Aspekte können wir dank Dr. Mai Thi Nguyen-Kim also von YouTube auf jeden Vortrag übertragen:

  1. Halte den Vortrag nicht länger als nötig: Die Zeit vergeht fürs Publikum garantiert immer langsamer als für dich selbst.
  2. Verdien dir die Aufmerksamkeit deines Publikums: Stell dir immer vor, man könnte dich zu jeder Zeit wegklicken.
  3. Nutze Call-to-Actions und ruf zur Handlung auf: Was möchtest du vom Publikum? Drücke das ganz klar aus.

Die Expertin weiß: „Unterm Strich ist das die beste Basis für gute Kommunikation. Wenn du das berücksichtigst, kann bei deinen nächsten Vorträgen nicht mehr viel schiefgehen.“ Jetzt bist du dran!

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