Dr. Monika Hein: Wie deine Stimme kraftvoll klingt

Dr. Monika Hein: Wie deine Stimme kraftvoll klingt

„Die Stimme eines Menschen entwirft direkt ein komplettes Menschenbild in unserem Kopf. Wir haben sofort eine Idee, ob wir Interesse empfinden oder ob wir auf Abwehr in uns selber stoßen. Wie gebildet, wie leidenschaftlich, wie erfolgreich jemand ist – wir bilden uns ein, all diese Dinge zu erkennen, wenn wir einen Menschen zum ersten Mal sprechen hören.“ Das behauptet Speakerin und Coach Dr. Monika Hein. Die erfahrene Trainerin weiß: „Deshalb ist es im Privaten wie im Beruflichen ganz entscheidend, wie die deine Stimme klingt.“

Und noch wichtiger: Wie wollen wir eigentlich, dass unsere Stimme klingt? Wissen wir immer genau, was unsere Stimme beim Gegenüber bewirkt? Dr. Monika Hein: „Hör dich mal in Unternehmen um. Manchmal ist es ganz schön gruselig, wie Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern reden. Manche Töne erschrecken eher als dass sie andere freudvoll stimmen.“ Die Expertin hat die menschliche Stimme studiert. Sie hat viele Schauspieler und Sänger ausgebildet. In diesem Magazinbeitrag verrät sie dir, wie dich die richtige Stimmtechnik noch erfolgreicher macht.

Dein natürliches Instrument

Welche Ideen und Strategien gibt es, um deine Stimme gezielt einzusetzen? Lässt sich deine Stimme analytisch betrachten und trainieren – oder setzt du dein Sprechorgan eher intuitiv ein? Dr. Monika Hein: „Ich weiß ganz genau, welches Bild ich in meinem Zuhörer erzeugen möchte – und darauf reagiert meine Stimme.“ Wir sprechen also über Intention und Intuition. Die Expertin sagt: „Die Aufgabe eines Stimmtrainers ist es, dem Schüler zu zeigen, seine schlechten Angewohnheiten abzulegen. Der Lehrer sollte dem Schüler zeigen, was sein natürliches Instrument daran hindert, sich voll zu entfalten.“

Was hindert dich daran, hörbar zu werden? Was hindert dich daran, deine Stimme so einzusetzen, dass du Menschen begeistern kannst? Warum funktioniert deine Stimme oft nicht so wie du es gern hättest? Dr. Monika Hein: „Das hat viele verschiedene Gründe. Einerseits kann es sein, dass wir in Hektik sind. Oder dass der Berufsalltag uns so stresst, dass die Stimme wegbleibt. Dann gibt es Glaubenssätze: Hast du schon mal gedacht ‘Mir hört eh keiner zu?’ Das sind Glaubenssätze, mit denen wir den Mund gar nicht erst aufmachen.“

Lern deine Stimme kennen

Auch Statusunterschiede, ein geringes Selbstwertgefühl und viele weitere Faktoren führen dazu, dass wir nicht laut oder hörbar werden – sondern uns teilweise gar nicht trauen, etwas zu sagen. Dr. Monika Hein: „Und dann ist da auch noch die Unkenntnis über unser Instrument: Wer weiß eigentlich genau, was er da tut? Unsere eigene Erfahrung fehlt an dieser Stelle. Wir sind keine Sprechprofis, dabei sprechen wir ständig. Wir sprechen den ganzen Tag in vielen, vielen Situationen. Insofern ist es sehr ratsam, das Instrument kennenzulernen, das wir im Hals haben.“

Wir hören uns über die Knochenleitung ganz anders als über die Luftleitung. Deswegen klingen wir in unseren Ohren anders – und sind überrascht, wenn wir eine Tonaufnahme von uns hören. Dr. Monika Hein: „Was hilft? Lerne deine Stimme kennen. Nimm dich so oft wie möglich auf in verschiedenen Variationen. Und probiere aus, was deine Stimme alles hergibt – das hilft im Alltag und Beruf ungemein! Und wenn dir deine Stimme dann immer noch nicht gefällt, dann solltest du dein stimmliches Mischpult kennenlernen.“

Dein stimmliches Mischpult

Das stimmliche Mischpult hat sieben Regler, mit denen wir arbeiten können:

  • Körper
  • Atmung
  • Stimmklang
  • Artikulation
  • Satzmelodie
  • Tempo
  • Betonung

Körper

Mit jedem dieser Regler verändert sich die Stimme ein kleines bisschen. Dr. Monika Hein: „Der erste Regler ist der Körper beziehungsweise deine Körperhaltung. Wenn du in deinem Schreibtischstuhl oder Chefsessel vor dich rumlümmelst, dann darfst du dich nicht wundern, wenn du nicht besonders motivierend klingst. Der Körper ist dein Instrument. Richte dich auf! Deine Stimme wird gleich ganz anders klingen. Dr. Monika Hein: „Die Körperspannung trägt dazu bei, hörbar zu werden.“

Atmung

Wenn wir emotional aufgewühlt sind, atmen wir im oberen Brustbereich und klingen angespannt, eng und nicht mehr ganz frei. Wenn wir jedoch tief in den Bauch atmen, dann beruhigt sich auch der Stimmklang. Und genau das wollen wir, wenn wir mit anderen Menschen im Berufsleben kommunizieren.

Stimmklang

Dr. Monika Hein: „Wir haben eine ganze Klaviatur an Tönen zur Verfügung. Dazu gehören vor allem drei bestimmte Teile. Wir sollten im unteren Drittel sprechen. Es ist den meisten Menschen nicht wirklich bekannt, dass wir dort sprechen sollten. Wenn wir es tun, hört man einen kleinen, dezenten Bass mitschwingen. Der klingt warm und tief.“ Wenn man diesen Bass verlässt, dann rutscht man in den Mittelteil der Stimmlage – und der ist für Zuhörer meist anstrengend, da er viele Höhen beinhaltet und schrill klingt. Und dann gibt es noch einen weiteren Teil auf der Klaviatur – die Kopfstimme. Dr. Monika Hein: „Wenn wir da sprechen, liebe Damen, dann werden wir nicht ernst genommen.“ Ihr Expertentipp: Sprich im dritten Teil deiner Klaviatur, der sogenannten Indifferenzlage. Das überträgt sich auf dein Gegenüber und lässt deine Stimme souverän und kraftvoll klingen.   

Artikulation

Dr. Monika Hein: „Artikulation ist das, was wir mit unserem Mundwerk machen. Wir haben Vokale und Konsonanten. Die Konsonanten sollten kraftvoll und deutlich sein, die Vokale brauchen ein bisschen Platz. Um das ganze Sprachgebilde wirklich deutlich auszusprechen, kannst du deine Zunge trainieren.

Satzmelodie, Tempo & Betonung

Die letzten drei Regler sind für die Sprachgestaltung. Die Melodie, das Tempo und die Betonung verleihen deinen Worten eine individuelle Note. Je nach der Botschaft, die du vermitteln möchtest, kannst du mit ihnen spielen und so unterschiedliche Effekte erzeugen.

Wie du kraftvoll präsentierst

Dr. Monika Hein: „Es gibt kein richtig oder falsch – es gibt lediglich freie Stimmen und weniger freie. Kleine Sprechübungen tragen dazu bei, dass du eine freie Stimme bekommst. Meine Tipp lauten: Lerne deine Stimme kennen und lieben. Du hast nur die eine. Begegne deinem Gesprächspartner mit Respekt, Mitgefühl, Liebe und Humor. Und zu guter Letzt gilt: Es muss sich nicht alles schön anhören. Deine Persönlichkeit strahlt hindurch. Das Wort Person kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ‘hindurchklingen’. Lass deine Persönlichkeit hindurchklingen. Egal was wir sagen und zu wem – am Ende verbleibt immer ein Gefühl.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.