Selbstständig machen als Dienstleister – was kostet es?

Wie teuer ist es, sein eigenes Business zu gründen? Wie viel Startkapital sollte man einplanen? Und wie kommt man an Geld, wenn man sich unbedingt selbstständig machen möchte, aber das Sparschwein eher mager ist?

Ein allgemeines Einheitsbudget, das für jede Selbstständigkeit und jeden Gründer gleichermaßen gilt, gibt es nicht. Deshalb wirst du hier auch keine konkreten Zahlen finden. Das jeweilige Budget hängt stark von deinem Business und deinen individuellen Lebenshaltungskosten ab.

Natürlich gibt es aber Richtlinien, um sich zu orientieren und zu ermitteln, was du zum Start benötigst, wenn du dich selbstständig machen willst. Und noch wichtiger: Es gibt praktische Tipps und Anreize, die dir helfen, deine Kosten zu senken. Finde heraus, was du unbedingt wissen solltest! Wir verraten es dir.

Deine einfache Erstausstattung

Zunächst einmal brauchst du Zeit, um dein neues Geschäft aufzubauen und erste Kunden zu gewinnen. In dieser Zeit musst du natürlich weiterhin Essen kaufen, Miete zahlen und deine Lebenshaltungskosten begleichen. Deshalb plane von vornherein ein, dass du einige Wochen oder Monate ohne festes Einkommen auskommen musst, wenn du dich selbstständig machen willst.

Außerdem benötigst du eine Erstausstattung. Dazu zählen die wichtigsten Arbeitsmaterialien für deine Dienstleistungen, zum Beispiel Scheren für Friseure oder Grafik-Programme für Designer. Auch ein Computer und ein Telefon zählen zum wichtigsten Start-Equipment. Wenn du magst auch ein toller Name für dein Geschäft, ein Logo, eine Website, Visitenkarten, Briefbögen und Werbebroschüren.

Das Beste: Viele Kosten kannst du als Selbstständiger von der Steuer absetzen. Und ein eigenes Büro brauchen viele Dienstleister eigentlich nicht. Papierkram kannst du schließlich von zuhause erledigen und einen schönen Arbeitsplatz mit WLAN findest du im Café um die Ecke. Du siehst, die Kosten bleiben erstmal überschaubar.

Das Marshmallow-Problem

Kommen wir noch einmal auf deine Lebenshaltungskosten zurück. Eine große Herausforderung für viele Selbstständige besteht nämlich darin, ihre eigenen Impulse zu kontrollieren. Doch wer jedem Impuls nachgibt, leistet sich unnötige Ausgaben – und das kann manchmal gefährlich werden. Hier ein kleiner Exkurs:

In einem wissenschaftlichen Experiment, von dem du sicher schon einmal gehört hast, verbrachten vierjährige Kinder einige Minuten alleine in einem Zimmer. Vor jedem Kind lag ein Marshmallow. Wer es schaffte, seinen Marshmallow nicht zu essen, sollte später zur Belohnung einen zweiten bekommen.

Was meinst du, wie viele Kinder die Aufgabe erfüllten und ihren Marshmallow nicht anrührten? Lediglich ein Drittel von ihnen schaffte es, die Süßigkeit nicht zu essen. Diese Kinder zeigten Selbstdisziplin. Sie waren geduldig und erhielten am Ende ihre Belohnung.

Und siehe da: Anderthalb Jahrzehnte später waren die Kinder, die den Marsmallow nicht gegessen hatten, deutlich erfolgreicher. Sie glänzten durch bessere Schulnoten, Beziehungen und Lebenspläne als die anderen.

Selbstständig machen heißt Ausgaben senken

Was die Marshmallow-Kids mit deiner Selbstständigkeit zu tun haben? Eine ganze Menge. Denn wer sich selbstständig macht, steht vor der gleichen Entscheidung wie die Vierjährigen. Entweder du verzichtest eine Weile, um später mehr zu erhalten. Oder du willst gleich etwas bekommen, ohne bereit zu sein, dafür zunächst zu verzichten.

Wenn du dich erst in späteren Berufsjahren selbstständig machst, ist dein gewohnter Lebensstandard schon relativ hoch. Daher solltest du in diesem Fall besonders darauf achten, dass das Geld nicht ausgeht, bevor sich dein Business trägt.

Gleichzeitig hat Sparsamkeit nicht nur etwas mit finanziellen Verpflichtungen zu tun, sondern vor allem mit der inneren Haltung. Unser Tipp: Übe dich in Selbstdisziplin und denke immer an den zweiten Marshmallow! Gib nur Geld für das Nötigste aus und du wirst sehen, dass es gar nicht so teuer ist, sich mit einer einfachen Erstausstattung und gesenkten Lebenshaltungskosten im Dienstleistungssektor selbstständig zu machen.

Hilfe bei (höherem) Startkapital

Was aber, wenn deine Startkosten in die Höhe schnellen, weil du ein Auto benötigst, um von A nach B zu kommen? Was, wenn du eine Praxis brauchst, weil du dich als Physiotherapeut oder Zahnarzt selbstständig machen möchtest und deine Patienten behandeln musst? Oder wenn du eine ganz außergewöhnliche und innovative Geschäftsidee hast, für die du einen Trupp guter Programmierer anheuern musst?

Dann reden wir plötzlich nicht mehr nur von minimalen Beträgen und Lebenshaltungskosten. Dann geht es um ein relevantes Startkapital für Möbel, Geräte, Waren und Personal. Auch hierfür gibt es Lösungen. Wenn du das Budget nicht alleine stemmen kannst, kommen zum Beispiel Kreditmöglichkeiten für Gründer infrage, von denen einige zu günstigen Konditionen angeboten oder gar bezuschusst werden.

Auch private Investoren könnten interessant sein und vielleicht hast du schon mal das Wort “Business Angels” gehört? Hierbei handelt es sich um erfahrene Unternehmer, die vor allem Start-Ups unterstützen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Im Gegenzug verdienen sie später mit, sobald das Start-Up Einnahmen erzielt.

Grundsätzlich gibt es eine Reihe sinnvoller Möglichkeiten, die aber stark von deinem individuellen Vorhaben abhängen. Informiere dich daher im Internet oder ziehe einen Unternehmensberater mit Gründungs-Kenntnissen zu Rate. Er kann dir konkrete Optionen zeigen, die für dein Vorhaben am besten funktionieren.

Rechne mit realen Zahlen

Klingt alles ziemlich teuer? Keine Sorge, das ist es nicht. Kurz noch einmal zusammengefasst: Für die meisten Dienstleistungen, mit denen du dich selbstständig machen kannst, brauchst du tatsächlich nur ein minimales Startbudget.

Natürlich kommt es auch immer auf deinen eigenen Anspruch an. Du kannst dir selbst eine Website basteln oder einen Profi-Designer für mehrere Tausend Euro beauftragen. Du kannst dir das neueste und teuerste Laptopmodell zulegen, das es aktuell gibt, oder mit einem gebrauchten arbeiten.

Überlege im Vorfeld genau, welche Investitionen wichtig sind, weil sie dich am schnellsten voranbringen. Handle dann im zweiten Schritt gute Preise aus und addiere diese. Hinzu kommen deine (gesenkten) Lebenshaltungskosten für sechs bis zwölf Monate.

Finde Alternativen und weitere Standbeine

Wenn du schneller von deinen Einnahmen leben kannst: Umso besser! Aber gehe bei deiner Rechnung lieber auf Nummer sicher. Viele Gründer und angehende Selbstständige machen den Fehler, zu knapp zu kalkulieren. Am Ende scheitern sie, weil das Geld weg ist, bevor sich ihr Geschäft bezahlt macht. Tappe nicht in die gleiche Falle, sondern rechne mit realen Zahlen und plane lieber noch einen großzügigen Puffer ein.

Überlege dir auch geeignete Alternativen: Wie wäre es, wenn du dein Business nicht direkt Vollzeit betreibst, sondern nebenbei eine Teilzeittätigkeit ausübst? So brechen deine Einnahmen nicht von heute auf morgen ein. Oder mach dich direkt nach deinem Studium selbstständig. Zu diesem Zeitpunkt sind deine Lebenshaltungskosten noch gering und es fällt dir nicht schwer, zu sparen. Du siehst, es gibt etliche Möglichkeiten, günstig zu starten.

Am Ende stellt sich dann nicht mehr die Frage, was dich die Selbstständigkeit kostet, sondern was sie dir bringt. Vermutlich mehr, als du je mit Zahlen und Gewinnen aufrechnen könntest. Denn seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, ist für viele Gründer und junge Unternehmer unbezahlbar. Also, go for it!

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