Selbstständig sein: Zu wem es passt und wer besser die Finger davon lässt!

Selbstständig sein. Zeitlich und räumlich flexibel arbeiten. Selber entscheiden, ob und welche Projekte du annimmst. Eine verlockende Vorstellung! Wer würde nicht gerne seine Visionen verfolgen, Kaffee schlürfend seine Träume verwirklichen und dabei auch noch überdurchschnittlich gut verdienen?

Zugegeben, die Vor(ur)teile einer Selbstständigkeit klingen ziemlich einladend. Aber ist es wirklich so einfach? Pustekuchen! Überstunden und Nachtschichten gehören ebenso dazu wie Unsicherheiten und Existenzängste. Hinter unternehmerischem Erfolg steckt oft jahrelanger Verzicht, endlos viel harte Arbeit und der ein oder andere deprimierende Tiefschlag. Und wo kommt eigentlich das Gerücht mit dem Kaffee her?

Kein Wunder also, dass sich die Geister beim Thema Selbstständigkeit scheiden. Es gibt die absoluten Befürworter und die vehementen Verneiner. Und ehrlicherweise muss man zugeben: Selbstständig zu sein ist nicht für jeden erstrebenswert. Warum? Wie der Name bereits sagt: Du arbeitest selbst und du arbeitest ständig. Alles steht und fällt mit dir. Das kann ganz schön anstrengend sein und viele Nerven kosten. Der Druck ist immens. Du muss Biss haben, dir gelegentlich in den Hintern treten und immer einmal mehr aufstehen als du fällst.

Warum es nicht jedem gut tut, selbstständig zu sein

Genau deshalb ist Selbstständigkeit nicht Jedermanns Sache. Für die einen das Höchste der Gefühle, bereitet es anderen schon nach kurzer Zeit Bauchschmerzen. Und obwohl Informationen heute leichter zugänglich sind als jemals zuvor, gibt es immer noch viele Menschen, die sich vor Anmeldung ihres Gewerbes oder ihrer Freiberuflichkeit nicht ausreichend mit dem Thema befasst haben.

Für Berufseinsteiger, die gerade ihre Ausbildung oder ihr Studium abgeschlossen hat, mag das kein Problem sein. Im Zweifel heißt es: Next! Wenn die Selbstständigkeit floppt, klappt eben etwas anderes. Doch nicht jeder kann mit solch einer lockeren Einstellung an den Start gehen. Im Gegenteil: Viele trifft es besonders hart, wenn die Selbstständigkeit scheitert. Denn oftmals hängen nicht nur berufliche Ziele daran, sondern ganze Existenzen.

Dann ist egal, ob man keine zahlungskräftigen Kunden gefunden hat oder dem unternehmerischen Druck nicht gewachsen war. Gescheitert ist gescheitert. Und hier schließt sich der Kreis: In den allermeisten Fällen lässt sich vorzeitiges Scheitern nämlich auf eine schlechte Vorbereitung zurückführen – und somit eigentlich ziemlich gut vermeiden.

SWOT-Analyse für Selbstständige

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dich selbstständig zu machen, informiere dich vorab also möglichst konkret. Vielleicht hast du einen Selbstständigen in deinem Freundes- oder Bekanntenkreis, der dir aus erster Hand von seinen Erfahrungen berichten kann. Oder du besuchst ein Gründerseminar und erfährst dort, mit welchen Problemen du rechnen musst und vor welchen Schwierigkeiten du gewappnet sein solltest.

Auch Magazinartikel wie dieser bieten dir wertvolle Denkanstöße. Bestenfalls bist du anschließend so gut informiert, dass du entscheiden kannst: Passt eine Selbstständigkeit zu mir und meiner aktuellen Lebenssituation oder lasse ich (zum jetzigen Zeitpunkt) lieber die Finger davon?

Deshalb kommt jetzt eine nützliche Analyse für dich. Sicher ist dir die SWOT-Analyse ein Begriff? Sie dient als Instrument der Strategieplanung und kann für jeden beliebigen Zweck eingesetzt werden – natürlich auch zur strategischen Entscheidung, ob du dich selbstständig machen möchtest oder nicht.

Mithilfe der SWOT-Analyse ermittelst du die jeweiligen Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken eines Vorhabens. Wir wandeln die Analyse minimal ab und konzentrieren uns statt auf Stärken und Schwächen auf die Vorteile und Nachteile einer Selbstständigkeit. Bist du bereit, ein bisschen zu analysieren? Super, dann kann’s ja losgehen!

Deine Vorteile, wenn du selbstständig bist:

  • Du bist dein eigener Boss, triffst alle Entscheidungen selber und bestimmst, wo’s lang geht.
  • Du kannst zeitlich und räumlich flexibel arbeiten und bist weder an einen Ort noch an strikte Zeiten gebunden.
  • Du kannst deinen Verdienst immer weiter steigern, theoretisch gibt es keine Grenzen.
  • Du kannst deine Fähigkeiten und Kenntnisse stark erweitern und neue Aufgabenbereiche entdecken.
  • Du wirst als Unternehmer ernst genommen und erarbeitest dir Ansehen und Respekt.
  • Du kannst neue Herausforderungen annehmen und beruflich wie persönlich wachsen.
  • Du verwirklichst dich selbst und entfaltest deine Persönlichkeit auf einem völlig neuen Level.

Deine Nachteile, wenn du selbstständig bist:

  • Du hast keine 40-Stunden-Woche, sondern arbeitest höchstwahrscheinlich deutlich mehr als die meisten Angestellten.
  • Du musst sehr belastbar sein – Unsicherheiten und Ängste dürfen dich nicht lähmen.
  • Du brauchst einen langen Atem, viel Durchhaltevermögen und musst zu 100 Prozent von deinem Vorhaben überzeugt sein.
  • Du gehst ein finanzielles Risiko ein und musst auftragsarme Wochen und Monate überbrücken.
  • Du musst mit Neid und Konkurrenz rechnen – nicht jeder gönnt dir deinen Erfolg.
  • Du musst dich mit vielen Aufgaben herumschlagen, die nichts mit deinem eigentlichen Business zu tun haben (zum Beispiel Steuern).
  • Du hast gegebenenfalls keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn dein Vorhaben scheitert.

 Chancen deiner Selbstständigkeit

  • Du darfst den Erfolg deines Business allein auf dich und deine Entscheidungen zurückführen. Das bestätigt dich und verleiht dir das Gefühl von Stolz. Zudem sind dir keine Grenzen und Limits gesetzt. Du kannst deutlich erfolgreicher werden als jemals zuvor. Nichts und niemand stoppt dich!
  • Du hast die Zügel in der Hand, was bedeutet: Du musst dich nicht mit einem Job zufriedengeben, der dich unglücklich macht. Du kannst deinen eigenen Arbeitsalltag und Aufgabenbereich gestalten. Das steigert deine Lebensqualität enorm.
  • Du kannst deinen Job besser mit Familie und Freunden vereinbaren. Klar, das Arbeitspensum ist hoch. Aber deine Arbeit kannst du dir frei einteilen und so legen, dass sie am besten mit deinem Privatleben harmoniert.
  • Du profitierst von abwechslungsreichen Arbeitstagen und einer bunten Mischung aus verschiedenen Aufgaben. Von fachlichen Tätigkeiten bis hin zur Buchhaltung ist alles dabei – Langeweile kommt garantiert nicht auf!

Risiken deiner Selbstständigkeit

  • Du solltest nicht allzu lange im Voraus planen, denn du weißt nie, wann ein lukrativer Kundenauftrag reinkommt. Bedeutet: Deinen Jahresurlaub Monate im Vorfeld zu planen, ist eher schwierig. Gerade anfangs willst du natürlich keinen Job abschlagen und jederzeit bereit sein, Kunden zu bedienen und Geld zu verdienen. Hallo Selbstständigkeit, tschüss private Planungssicherheit.
  • Du musst unbedingt für einen Krankheitsfall vorsorgen. Selbstständige erwirtschaften schließlich nur Geld, wenn sie arbeiten. Im Krankheitsfall kann es demnach zu sofortigen Zahlungsausfällen kommen. Daher solltest du von Anfang an Rücklagen für den Fall der Fälle bilden und Wert auf eine gute Arbeitsunfähigkeitsversicherung legen.
  • Du solltest dem Thema Versicherungen ohnehin einen hohen Stellenwert geben. Neben der Kranken- und Pflegeversicherung können auch eine Gewerbehaftpflicht- und eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung sinnvoll sein. Nicht zu vergessen ist deine Altersvorsorge. Vielen Selbstständigen brechen Versicherungssummen das Genick. Doch mit ein bisschen Recherche oder einem guten Berater findest du garantiert günstige Alternativen. Und ganz auf Versicherungsschutz zu verzichten, ist fahrlässig und kann dich schlimmstenfalls in die Insolvenz treiben.
  • Du arbeitest vermutlich deutlich mehr als alle anderen, wenn du selbstständig bist. Trotzdem solltest du dir gezielt Pausen nehmen und Auszeiten gönnen. Selbstständige gehen häufig das Risiko ein, sich selbst auszubeuten. Das macht langfristig nicht glücklich, sondern kann bis zum Burnout führen.

Selbstständig sein, ja oder nein?

Na, hast du die Vorteile und Nachteile, die Chancen und Risiken in Ruhe auf dich wirken lassen? Wenn du selbstständig bist, hast du die Möglichkeit, ein Arbeitsleben voller Erfüllung zu führen und deine Lebensqualität zu steigern. Doch auch die Nachteile und Risiken sind nicht von der Hand zu weisen. Diese können dich bis an deine Grenzen führen. Ist es dir das wert? Wie entscheidest du dich?

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