Von Wegen und Zielen – Welchen Unterschied der Führungsstil macht

Jede Führungskraft – jeder Topmanager, Teamleiter oder Abteilungsführer – entwickelt im Laufe seiner Karriere einen Führungsstil. Dieser basiert auf zwei Fragen: „Wohin geht es?“ und „Auf welchem Weg kommen wir dahin?“ An der Beantwortung der Fragen – oder zumindest am Versuch – teilen sich die Führungskräfte in verschiedene Lager:

Die einen haben weder einen Plan, was sie wollen, noch wie sie dahin kommen. Die anderen wissen ebenfalls nicht, wohin es geht, dafür aber umso genauer, wie. Dann gibt es diejenigen, die ihr Ziel kennen, aber noch nicht exakt wissen, wie sie dorthin kommen wollen. Und zu guter Letzt wäre da noch eine kleine Gruppe derer, die beides kennen.

Wer genau hinschaut, kann in diesen vier Gruppen vier unterschiedliche Führungsstile erkennen. Dr. Stefan Frädrich bezeichnet die Modelle in seinem Buch “Das Günther-Prinzip fürs Business” als “Macht”, “Management”, “Leadership” und “Unternehmenskultur”. Klingt spannend? Das ist es auch. Im Folgenden erfährst du, wodurch sich jeder einzelne Führungsstil auszeichnet.

Der Führungsstil “Macht”

Der erste Führungsstil funktioniert nach dem Modell “Macht” und ist eigentlich ganz einfach: Der Chef denkt und alle anderen schalten ihr Hirn aus. Der Chef befiehlt, die anderen folgen. Das kannst du dir ein wenig vorstellen wie in einer Söldnertruppe. Und sollte doch mal jemand wagen, sich zu widersetzen, bekommt er eins auf die Mütze. Wehe, das passiert noch mal!

In diesem Modell wird die Hierarchie deutlich klar. Die Luft an der Spitze ist dünn, deshalb kann es beim Führungsstil “Macht” nur einen Alleinherrscher geben. Wie er dahin gekommen ist? Nun, häufig indem er seine Ellbogen eingesetzt hat. Und gerade weil der Kampf um den Chefsessel hart war, lässt er nun Angst und Schrecken walten. Du kannst es dir schon denken: Spaß macht die Arbeit mit so einem Chef nicht. Doch immerhin einen Vorteil hat der Führungsstil: Jeder weiß, wer den Ton angibt. Dadurch können Entscheidungen schnell umgesetzt werden – schließlich machen alle, was der Chef sagt.

Die Nachteile liegen jedoch auf der Hand: Mitarbeiter sind vorwiegend aus Angst motiviert und niemand traut sich, mitzudenken oder seine Meinung zu sagen. Dadurch geht wertvolles Potenzial verloren. Wer vor allem auf die Hierarchie und seinen Machterhalt schaut, verliert dabei zudem schnell Sinn, Ziel und Weg seiner Aufgabe aus den Augen. Das führt langfristig zu unzufriedenen Mitarbeitern und einem Entwicklungsstillstand.

Der Führungsstil “Management”

Im Vergleich zum ersten Modell geht es beim Führungsstil “Management” nicht darum, wer das Sagen hat, sondern wie etwas gemacht wird. Oder, um die Worte zu Beginn noch einmal aufzugreifen: Man weiß nicht, wohin es geht, aber immerhin wie. Die Mitarbeiter orientieren sich an eindeutigen Dienstanweisungen, Ablaufplänen, Projektschulungen, Programmen und Arbeitsprozessen. Gültige Mess- und  Kontrollsysteme, kostenorientierte Preisberechnungen und andere Instrumente geben den Weg vor. Das funktioniert an sich prima, denn jeder weiß, was er wie erledigen soll.

Allerdings geraten Sinn und Ziel der einzelnen Aufgaben bei diesem Modell leicht aus dem Blick. Die vielen vorgegebenen Regeln stehen schnellen Entscheidungen und kurzfristigen Änderungen im Weg. Es geht insgesamt sehr bürokratisch zu. Könnten Chefs leichter Entscheidungen treffen und diese durchsetzen, ließe sich mancher Umweg vermeiden. Stattdessen sind Chefs in einem Regelgestrüpp gefangen und haben gegen die Trägheit des Systems kaum eine Chance.

Führungsstil “Leadership”

Den Gegenentwurf zum reinen Management-Führungsstil bezeichnet Dr. Stefan Frädrich als “Leadership”. Hierbei richtet sich die Arbeit vor allem danach, wo es hingehen soll, also nach Sinn, Richtung und Zielen. Der Weg ist eher unwichtig. Hauptsache, man kommt an. “Leadership”-Chefs vermitteln ihrem Team Visionen und Ziele. Sie fungieren als Vorbilder und sind meist sehr charismatisch. Besonders gut funktioniert ihr Führungsstil in kleinen Teams und Start-Ups.

Besonders hervorzuheben ist übrigens die meist sehr hohe Motivation vieler Mitarbeiter. Sie brennen für ihren Job, geben Vollgas und nehmen sogar regelmäßige Überstunden in Kauf. Jeder bringt sich bestmöglich ein, weiß, wie wichtig er ist, und folgt dem Chef freiwillig. So ergänzt man sich und zieht an einem Strang. Eigentlich eine Traumvorstellung. Problematisch wird dieser Führungsstil erst, wenn das Unternehmen wächst. Dann kann es mitunter schnell vorbei sein mit dem Modell “Leadership” …

Führungsstil “Unternehmenskultur”

… Muss es aber nicht! Mithilfe einer guten Unternehmenskultur lässt sich “Leaderhip” nämlich auch in großen Konzernen anwenden – und dass, obwohl hier viele Abläufe fest geregelt sind. Eine gute Unternehmenskultur scheint also der Schlüssel eines erfolgreichen Führungsstils zu sein. Aber was versteckt sich hinter dem Begriff? Es ist die Summe aus Selbstverständnis, Bräuchen, Ritualen und Dienstabläufen, die im Unternehmen herrschen.

Ideal ist zum Beispiel, wenn jeder ein wenig mitbestimmen darf oder man ein gemeinsames Leitbild hat, an das sich alle gerne halten. Oder wenn man gemeinsam eine Vision verfolgt. Kurz: Die Unternehmenskultur definiert die Identität des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Dadurch erübrigen sich viele Führungsfragen – Sinn, Richtung und Ziele sind klar. Trotzdem sind aber auch etliche Abläufe geregelt. Sonst ginge es womöglich drunter und drüber.

Bei diesem Führungsstil, den man als eine Mischung aus “Management” und “Leaderhip” bezeichnen kann, sind sowohl das Ziel als auch der Weg bekannt. Wenn beides jetzt noch möglichst flexibel gehandhabt wird, funktioniert die Unternehmenskultur.

Dein individueller Führungsstil

Wie du siehst, hat nahezu jeder Führungsstil seine individuellen Vor- und Nachteile. Auch Mischformen sind möglich – kein Unternehmen funktioniert schließlich wie das andere und jeder Chef leitet sein Team auf seine Art.

Falls du selbst in einer Führungsposition sein solltest oder im Laufe deiner Karriere eine besetzen möchtest, solltest du dich unbedingt näher mit dem Thema befassen. Dein Führungsstil ist nämlich maßgeblich mitentscheidend für den Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens.

Doch nicht nur die Unternehmensziele stehen im Vordergrund, auch die Menschlichkeit darf nicht zu kurz kommen. Beachte, dass ein machtorientierter Führungsstil nicht dazu führt, dass deine Mitarbeiter gerne hinter dir stehen. Konsequenz und eine strenge Hand können hilfreich sein, aber bitte verbreite weder Angst noch Schrecken. Sei kein Hardliner, sondern orientiere dich an einem der gemäßigten Führungsstile! Du wirst sehen, dass du mit Motivation und Begeisterung mehr erreichst!

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